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Von Thomas Mielke, Beuth Hochschule für Technik Berlin, Studiengang Druck- und Medientechnik Master
Sonderwerbeformen − Innovationsfähigkeit im Zeitungsdruck
Gliederung
2. Gegenstand der Untersuchung
4.1 Einflussfaktoren auf die Thematik
4.3 Einsatzgebiete und Arten von Sonderwerbeformen
5. Einsatzbeispiele aus der Druck- und Medienbranche
6. Katalog der Sonderwerbeformen
7. Interview: Sonderwerbeformen aus Sicht einer Medienagentur
1. Einleitung
Die Zeitungsindustrie sieht sich durch die Konkurrenz aus dem Internet und einen veränderten Zeitgeist dem abnehmenden Interesse am Medium Zeitung gegenübergestellt. Zudem ist in der heutigen Zeit eine zunehmende Immunität gegenüber klassischer Werbung zu beobachten. Das Printprodukt Zeitung verliert an Attraktivität für den Anzeigenkunden, was sich negativ auf das Geschäftsmodell der klassischen Printanzeige auswirkt.
Um nun Anzeigenkunden zu halten, bzw. wiederzugewinnen entwickelt die Branche derzeitig Werbeformen, die sich in irgendeiner Weise von normalen Werbeanzeigen unterscheiden und damit eine höhere Aufmerksamkeit beim Leser erwecken. So besteht für die Zeitungsdruckereien und -verlage die Aufgabe, innerhalb der gegebenen technologischen Möglichkeiten, die das Endprodukt Zeitung vorgibt, innovative Produktkonfigurationen für den Anzeigen-Kunden zu entwickeln. Diese sind unter dem Titel „Sonderwerbeformen − SWF“ ein Teil des Innovationsfeldes Printprodukte.
2. Gegenstand der Untersuchung
Dieser Artikel setzt sich inhaltlich damit auseinander, wie innovative Sonderwerbeformen in den Zeitungsdruckereien derzeit entwickelt werden und was für Sonderwerbeformen im Angebot vorhanden sind. Darüber hinaus soll beleuchtet werden, welche Wünsche und Forderungen von den Anzeigenkunden und den Verlagshäusern, bzw. Agenturen den derzeitigen Möglichkeiten gegenüberstehen.
Was können die Druckereien? – Was wollen die Kunden?
Desweiteren wurde im Rahmen dieser Arbeit ein Katalog erstellt, der die Möglichkeiten an Sonderwerbeformen strukturiert darstellen soll.
3. Motivation
Die Motivation sich mit dem Thema zu befassen ist neben Berührungspunkten des Autors mit der Zeitungsindustrie, das Interesse, was Zeitungsdruckereien dem Bedeutungsverlust der Zeitung auf dem Markt der Informationsmedien entgegenstellen.
4. Themenbeschreibung
4.1 Einflussfaktoren auf die Thematik
Die Zeitungsindustrie befindet sich in der Krise. Sinkende Ausgaben für Werbung und ein immenser Konkurrenzdruck durch das Internet setzen die Zeitungsdruckereien zunehmend unter Druck. Damit einhergehend verteilen Anzeigenkunden Ihre Budgets auf viel mehr Kanäle als früher, so dass für gedruckte Anzeigen einfach weniger Geld übrig ist.
„Das traditionelle Finanzierungsmodell von Abonnement-Zeitungen besteht zu zwei Dritteln aus Erlösen der Anzeigen und zu einem Drittel aus dem Vertrieb. Mittlerweile hat sich das Verhältnis aufgrund geringerer Anzeigenerlöse in Richtung Vertrieb verschoben und beträgt bei einigen Verlagen inzwischen 50:50.“
(Jan Steeger, Raufeld Medien GmbH)
Und so werden Zeitungen weiter Leser, Anzeigenkunden, sowie Einnahmen durch Anzeigenkunden einbüßen und an Bedeutung auf dem Markt der Informationsmedien verlieren. Die Zeitungsverleger versuchen den Umständen durch eine zunehmende Aktivität im Internet „ Zeitung goes online“ entgegenzuwirken. Doch trotz hohem Verkehrsaufkommen auf den Verlags- und Zeitungs-Portalen im Netz kompensieren die Online-Aktivitäten die finanziellen Ausfälle nicht. Zeitungen finanzieren sich überwiegend über Anzeigenerlöse. Viele Zeitungsverlage setzen mittlerweile auf Anzeigenpakete für Print und Online und versuchen auf diese Weise die Anzeigenerlöse über das Internet zu erhöhen. In den Zeitungsdruckereien wiederum ist es das Gebot der Stunde, dass über neue und reizvolle Angebote für Anzeigenkunden nachgedacht wird. Im Laufe der letzten Jahre entwickelte sich aus diesen Bestrebungen heraus eine große Anzahl von Sonderwerbeformen.
Dabei erfordert es eine immense kreative Energie Möglichkeiten zu entwickeln, die mit dem herkömmlichen Maschinenpark einer Zeitungsdruckerei zu bewerkstelligen sind. Zudem zeichnen sich innovative Zeitungshäuser durch eine hohe Sensibilität und ein gutes Gespür für die Wünsche und Bedürfnisse eines Anzeigenkunden aus. Man muss dem richtigen Kunden die richtige Sonderwerbeform anbieten oder gar entwickeln und so werden Ideen zumeist im engen Kontakt mit einzelnen Kunden entwickelt.
Ein weiterer Motor dieser Entwicklungen sind die Maschinenhersteller von Zeitungsproduktionssystemen. Gerade die Hersteller von Weiterverarbeitungsanlagen wie Ferag und Müller-Martini entwickeln ständig neue Maschinenaggregate mit denen Zeitungen mit einem „Special“ ergänzt oder veredelt werden können. Das liegt zum Großteil daran, dass die Hersteller in Kontakt mit der gesamten Branche stehen und zum anderen am besten wissen, was technisch machbar ist.
Zudem genießt das Thema eine hohe Aufmerksamkeit bei den Agenturen. Diese wollen für die Kampagnen ihrer Kunden durch eine möglichst hohe Aufmerksamkeit hohe Rückläufe generieren. „Trotzdem liegt die Investitionsbereitschaft im Bereich Sonderwerbeformen bei fast allen Unternehmen noch unterhalb von 10% des Gesamtmarketingbudgets, allerdings mit steigender Tendenz, da die Erfolge der Sonderwerbeformen bezüglich der positiven Wahrnehmung und des hohen Erinnerungswertes der Werbebotschaft immer deutlicher werden.“ (innovative werbeformen, online: http://www.marketing.ch/wissen/sonderwerbeformen/innovative_werbeformen.pdf, Abrufdatum: 19.01.2010)
„Innovative Sonderwerbeformen haben für uns bereits seit geraumer Zeit an Bedeutung gewonnen, da sich durch ihren Einsatz die Wahrnehmung der Werbebotschaft gezielt und nach-haltig verstärken lässt“
(Jochen Sengpiehl, Marketing-Leiter Volkswagen PKW in einer Pressemitteilung auf der Webseite des BDZV - Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger)
4.2 Stand der Technik
Sonderwerbeformen (engl.: Ad Special) werden von den Zeitungsverlagen, bzw. -druckereien entweder über den hauseigenen Maschinenpark erstellt oder von externen Spezialdienstleistern angefordert. Die Integration in das Produkt kann inline, während der laufenden Produktion erfolgen. Beispiele hierfür sind der Einsatz von Spezialfarben oder Spezialpapieren, sowie die Produktion ausgefallener Falzformen. Desweiteren kann die Integration der Sonderwerbeform auch offline durch nachträgliche Veredelung oder Ergänzung erfolgen. So drucken beispielsweise externe Dienstleister Sonderwerbeformen die im Zeitungsdruck nicht möglich sind und liefern diese an die Weiterverarbeitung einer Druckerei, wo die Sonderwerbeformen anschließend in die Zeitungsprodukte integriert werden. Sonderwerbeformen sind aufgrund der komplexen Integration in das Printprodukt eine Erschwernis der engen Produktionsabläufe einer Tageszeitung mit unumstößlichen Auslieferungsterminen, daher benötigen sie für gewöhnlich längere Vorlaufzeiten und eine detailierte Abstimmung in der Produktion.
4.3 Einsatzgebiete und Arten von Sonderwerbeformen
Die Druck- und Werbeindustrie verfügt heutzutage über einen sehr breiten Fundus an Sonderwerbeformen. Die Verfügbarkeit dieser ist aber im Rahmen der technologischen Bedingungen in der Zeitungsproduktion stark eingeschränkt. In der Produktion von Zeitungen stehen folgende Gruppen von Sonderwerbeformen zur Verfügung:
Add Ons: Diese Arten der Sonderwerbeformen, zu Deutsch Ergänzung oder Erweiterung beschreiben die Ergänzung eines Elements (z. B. Aufkleben einer CD, Sticker, oder eines kleinen Promopäckchen). Zusätzlich ist durch Aufrüstung der Rotation eine Perforation möglich, um aus einer Tageszeitung Abschnitte sauber abzutrennen. Bei der Aufrüstung der Rotation handelt es sich um ein Patent des Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer AG (KBA). Diese, als Zip’n’Buy bezeichnete Sonderwerbeform sorgte erstmalig in einer Werbeanzeige von C&A in der Main-Post für Aufsehen.
Formate und Falzformen: In dieser Kategorie werden die klassischen Zeitungsformate wie Rheinisches oder Berliner Format auf, für Zeitungen ungewöhnliche Formate runter geschnitten. Eine weitere Möglichkeit ist das Einfügen halber Seiten, durch eine modifizierte Papierbahnführung oder dem Einsatz von extra zugeschnittenen Papierbahnen. Moderne Zeitungsdruckmaschinen können heute formatvariabel ausgestattet sein. Das bedeutet, dass unterschiedliche Formatbreiten, wie Berliner Format (63 cm) bis hin zum Rheinischen Format (70 cm) eingesetzt werden können. In der Abschnittslänge bleiben die Maschinen meist fix.
Weiterverarbeitung: Diese Kategorie zeichnet sich dadurch aus, dass die Zeitung in der Weiterverarbeitung untypische Produktionsschritte durchläuft. So werden im Zeitungsdruck erstellte Produkte heutzutage rückstichgeheftet oder geleimt und anschließend geschnitten. So erscheint beispielsweise das auf Tabloid umgestellte Handelsblatt mit einer Heftung. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass auch doppelseitige Anzeigen, die auf sogenannten falschen bzw. Pseudo-Panoramaseiten gedruckt werden, beim Lesen nicht auseinanderfallen.
Spezialpapiere: Bei den Spezialpapieren finden gefärbte, strukturierte, transparente aber auch für Tageszeitungen ungewöhnlich hochgrammaturierte Papiere Verwendung. Die Papiere werden entweder unter erhöhtem Aufwand auf den Zeitungsrotationen bedruckt oder vom externen Dienstleister vorproduziert und anschließend in das Endprodukt integriert.
Spezialfarben: Der Katalog der Spezialfarben beinhaltet Sonderfarben inklusive Leucht- und Metallicfarben, sowie Lackdruck und Duftfarben.


5. Einsatzbeispiele aus der Druck- und Medienbranche
Für einen praxisnahen Überblick über die vorhandenen Arten von Sonderwerbeformen trat ich in einen Dialog mit der Berliner Zeitungsdruck GmbH.
Umsetzungen von Sonderwerbeformen findet man heutzutage in jeder Zeitungsdruckerei. Durch den breiten Vertrieb einer Tageszeitung bleiben der Konkurrenz Weiterentwicklungen in diesem Bereich auch nicht lange verborgen. Mit marktüblichen Zeitungsdruckmaschinen hat zudem jeder Wettbewerber technisch ähnliche Möglichkeiten Sonderwerbeformen zu produzieren.
Daher verwundert es auch nicht, dass Dieter Neitzel, Fachingenieur Druck in der Berliner Zeitungsdruck GmbH die Sonderwerbeformen als einen Ideenkasten sieht, indem alle am Markt beteiligten ihre Ideen hineinwerfen. Bis einer in den Kasten reinschaut und sich etwas Brauchbares herausnimmt. Diese Art von Ideenpool diene einer breiten Streuung und erhöht die Auswahlmöglichkeiten. So wurden auch in der Berliner Zeitungsdruck GmbH zahlreiche Sonderwerbeformen wie ein 4 und ein 8 Seitenbooklet zum Einlegen in die Zeitung entwickelt. Für punkt3, ein Magazin der S-Bahn wurde zudem ein nach oben aufklappbares Centerfold verwirklicht, welches mit dem bestehenden Maschinenpark umsetzbar ist, zudem wurde auch hier schon Zeitungsdruck auf transparentem Papier durchgeführt. Der erstmalige Einsatz erfolgte 2005 im Druckzentrum Steinhausen, was der Druckerei auch sogleich die Kür zum „Zeitungsdrucker des Jahres“ von der Fachzeitschrift „Druck und Medien“ einbrachte.
Laut Angaben von Steffen Helmschrott, Geschäftsführer der Berliner Zeitungsdruck GmbH werden Sonderwerbeformen zumeist in Zusammenarbeit mit dem Kunden entwickelt. Dabei stehe folgende Frage im Mittelpunkt: „Welches Ziel hat der Kunde, und wie können wir Ihn bei der Erreichung seines Ziels unterstützen?“ Er erwähnte jedoch auch, dass viele Agenturkunden oft gar nicht wüssten, welche technischen Möglichkeiten eine Zeitungsdruckmaschine bietet.
Daraus lässt sich ableiten, dass das Knowhow für die Sonderwerbeformen klar auf Seiten der Druckereien liegt und nicht immer über zwischengelagerte Instanzen wie Verlagshäuser mit Anzeigenabteilung, Redaktions- und Werbeagenturen bis zum letztendlichen Anzeigen-Kunden kommuniziert wird. Mittlerweile ist jedoch zu beobachten, dass die Sonderwerbeformen zunehmend Einzug in die Mediadaten der großen Anzeigenblätter finden, was diesen Zustand langfristig verbessern sollte.
Desweiteren ergab der Dialog mit der Berliner Zeitungsdruckerei einhergehend mit einer umfangreichen Literaturrecherche, dass ein Teil der Sonderwerbeformen erhöhte Investitionskosten mit sich bringen. So benötigt man beispielsweise für einen XXL Altarfalz mit einer Fläche von 2x2 Seiten eine Rotation mit dreifacher Bogenbreite. Die erste Maschine dieser Art in Deutschland wurde 2004 von manroland in Pinneberg installiert. In Japan haben sich diese Druckmaschinen bereits durchgesetzt. In Deutschland werden zunehmend Maschinen im XXL Format installiert. Teilweise sind diese Maschinen auch formatvariabel, indem sie zwischen Bahnbreiten des Berliner Formats bis zum Rheinischen Format wechseln. Der ständige Einsatz von Sonderfarben erfordert weitere Investitionen in Druckmaschinen mit speziellen Farbwerkskonfigurationen.
Sonderwerbeformen bedingen daher einen sehr unterschiedlichen Aufwand, vom Umstellen einer Maschine in der Produktion, bis zum Nachrüsten durch den Maschinenhersteller oder der Einkauf von nicht intern zu bewerkstelligenden Produktionsschritten durch einen externen Dienstleister. Zudem kann die Verwendung von ausgefallenen Papiersorten wie z. B. Transparentpapier die Papierkosten um ein vielfaches steigern, daher bedingen die verschiedenen Sonderwerbeformen sehr unterschiedliche Zusatz-Kosten.
6. Katalog der Sonderwerbeformen
Im Katalog sind folgende Sonderwerbeformen enthalten:
- Ummantelung
- Flying Page
- Centerfold und Centerfold hoch
- XXL Format
- Altarfalz
- Hidden Ad
- Titelbanderole
- Titelsticker
- Transparentpapier
- Farbiges Papier
- Strukturpapier
- Duftfarbe
- Lackdruck
- Leuchtfarbe
- Perforation
- Half Pages
- HalfPages Tabloid
- Broadsheet Superpanorama
- Panorama
- Memoflag
- gestrichenes Headset-Papier 80 g/m²
- Metallfarben
- Booklet 8 Seiten / Booklet 4 Seiten
- Skip Slitter
- Memostick Kartenkleber
- kleinere Formate
- Heften
- Heften und Schneiden
- Leimung
- Stanzung
- Spot On
7. Interview: Sonderwerbeformen aus Sicht einer Medienagentur
Sonderwerbeformen sind bekannt, aber oft zu teuer
Interview mit Jan Steeger
Jan Steeger ist Redakteur der drehscheibe und Redaktionsleiter der Jugenddrehscheibe.
Die drehscheibe ist ein Projekt der Bundeszentrale für Politische Bildung realisiert von der Raufeld Medien GmbH. Der Schwerpunkt der Raufeld Medien GmbH liegt auf der Redaktion und Produktion von Sonderseiten und Kulturbeilagen für renommierte deutsche Zeitungen. Im Rahmen der drehscheibe werden Ideen und Konzepte aus dem Lokaljournalismus gesammelt, ausgewertet und erläutert. Dafür wertet die drehscheibe täglich rund 150 Zeitungen aus.
Herr Steeger, was tun die Zeitungen um Anzeigen an den Kunden zu bringen?
Viele Anzeigenverkäufer gewähren ihren Kunden große Rabatte, um überhaupt noch Anzeigen zu verkaufen. Das ist auch der Grund, warum immer mehr Zeitungen nicht mehr künstlich ihre Auflagen in die Höhe treiben. Die Anzeigenkunden fordern sowieso Rabatte, da ist es nicht entscheidend, ob die Listenpreise etwas höher sind. Die Zeitungen stellen sich zudem crossmedial auf, um verschiedene Kanäle zu bedienen. So verkauft beispielsweise die Jungfrau-Zeitung in der Schweiz, ihre Anzeigen nur noch im Paket, also Online und Print. Reine Print-Anzeigen sind dort nicht mehr zu haben.
Wie schätzen Sie die aktuellen Bedürfnisse der Anzeigenkunden ein?
Für viele Anzeigekunden ist vor allem das redaktionelle Umfeld wichtig, in denen die Anzeige erscheint. Aus diesem Grund haben die Zeitungsverlage eine Vielzahl von Printprodukten wie Wirtschaftszeitungen mit entsprechenden Beilagen oder Reisebeilagen etc. auf den Markt gebracht, um den Anzeigenkunden attraktive Plattformen zu bieten. Die Trennung von Redaktion und Anzeige bleibt in diesen Sonderprodukten unangetastet.
Mangelt es Ihrer Meinung nach an Angeboten, um Anzeigenkunden attraktive Anzeigen, in Gestalt von Sonderwerbeformen anzubieten?
Ein mangelndes Angebot von Sonderwerbeformen sehe ich nicht. In den Mediadaten vieler Zeitungen sind sie bereits aufgeführt.
Werden Ihrer Meinung nach die zahlreichen Möglichkeiten der Sonderwerbeformen nicht ausreichend von Druckdienstleistern kommuniziert?
Das ist kein Problem der mangelnden Kommunikation. Da die Kunden ihren Werbeetat auf immer mehr Kanäle verteilen müssen, bleibt weniger Geld für Anzeigen in der gedruckten Zeitung übrig. Da geht es gar nicht so sehr darum, dass die Werbeformen für die Kunden nicht attraktiv sind, sondern dass sie für Anzeigen in der gedruckten Zeitung nicht mehr so viel Etat haben. Kurz gesagt: Sonderwerbeformen sind bekannt, aber oft zu teuer, um für Werbende attraktiv zu sein.
Im Rahmen rückläufiger Verkaufszahlen der Zeitungen, ist in der Branche der Trend zur Etablierung der Zeitung als Qualitätsprodukt zu verspüren. Die Zeitung soll sich von einem Alltags- zu einem Liebhaberobjekt entwickeln. Unterstützen Sonderwerbeformen diese Entwicklung oder stehen nicht sogar einige Sonderwerbeformen diesen Zielen entgegen?
Das müssen sie nicht zwangsläufig. Kritisch sehe ich es, wenn SWF's den Lesegewohnheiten zu sehr zuwiderlaufen. Der Leser muss die Möglichkeit haben, Beiträge zu lesen, ohne von Störern erschlagen zu werden. Auffallen ist gut, Aufdringlichkeit nicht. Ein gutes Beispiel dafür ist das Netz. Nachdem viele Nutzer auf penetrante Pop-Up‘s und vor Werbung blinkende Webseiten damit reagierten, dass sie diese Seiten nicht mehr besuchten, sind die Werbeformen auf den großen Seiten etwas subtiler geworden.
Sonderwerbeformen in Zeitungen sollten daher mit der Anmutung und der Marke des Blattes im Einklang stehen. Wenn eine Zeitung ein hochwertiges Design hat, dann dürfen die SWF dem nicht entgegenwirken und minderwertig daherkommen.
Hätten Sie abschließend noch einen Tip, wie Zeitungen Sonderwerbeformen auf dem Markt etablieren könnten?
Man sollte überlegen ob Sonderwerbeformen nicht stärker in Kombi-Angebote eingebunden werden können, so dass ein Kunde Online-Werbeformen mit klassischen Anzeigen und Sonderwerbeformen im günstigen Paket kaufen kann, sofern dies nicht schon von einzelnen Zeitungshäusern praktiziert wird.
8. Resumé
Aus der Untersuchung des Innovationsfeldes Sonderwerbeformen lassen sich auf Seiten der Druckereien abschließend 7 entscheidende Kriterien für die Innovationsfähigkeit feststellen.
- Bereitschaft zur Kreativen Ideenfindung „neue Wege gehen“
- Flexibler Umgang mit den eigenen Produktionsabläufen
- Gespür für die Belange und Wünsche des Kunden
- Integration externer Dienstleister und Produktionsmöglichkeiten
- Investitionsbereitschaft
- Kommunikation der Produktionsmöglichkeiten an die Kunden
- Unterstützung durch Maschinenhersteller durch Integration von Zusatzfunktionen
Nur die Unternehmen, die die ersten 6 Punkte berücksichtigen und konstruktiv mit Ihren Maschinenherstellern in den Dialog treten, haben langfristig die Chance ihre Anzeigen-Kunden durch neue Angebote zu überraschen.
Im Rahmen der Untersuchung zeigte sich jedoch, dass hingegen ersten Eindrücken aus der Recherche in den einschlägigen Fachzeitschriften die Sonderwerbeformen auch einem strukturellem Problem unterliegen. Es zeigte sich, dass die Zeitungsdruckereien Probleme haben Ihre innovativen Produkte, aufgrund der kostentreibenden Wirkung an den Kunden zu bringen. Da die Anzeigenkunden oftmals nicht bereit sind, für eine innovative Werbeformen den entsprechenden Preis zu zahlen. Damit die Sonderwerbeformen billiger werden, müssten sie eine breitere Anwendung finden, doch genau hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Eine Chance dieses Problem zu lösen wäre der Ansatz, die Sonderwerbeformen über die Integration in Anzeigenpakete zu etablieren.
Hier offenbart sich zudem wieder einmal das historisch erwachsene Problem, dass Zeitungen unter extrem hohen Aufwand erstellt werden, für den der Kunde nicht bereit ist zu zahlen. Ob der Versuch der Etablierung der Zeitung als hochwertiges Qualitätsprodukt, diesen Umstand ändern wird, bleibt abzuwarten. Die Zeitungshäuser sollten sich jedoch weiterhin bemühen mit innovativen Ideen, den Abwärts-Trend den die Digitalisierung ausgelöst hat, aufzuhalten und das Kulturgut „Zeitung“ zu bewahren. So antwortete Zeitungsdesigner Lucas Kircher im Dezember 2009 in einem Interview mit dem drehscheibe-Magazin auf die Frage, ob es gewisse Trends im neuen Zeitungsdesign gäbe:
„Die Innovationsbereitschaft steigt, weil die Verzweiflung größer wird!“
9. Danksagung
Ich danke Steffen Helmschrott (Geschäftsleitung) und Dieter Neitzel (Fachingenieur Druck) von der Berliner Zeitungsdruck GmbH, sowie Jan Steeger (Redaktion) von der Raufeld Medien GmbH für Ihre Unterstützung. Informationen zu den benannten Firmen sind unter folgenden Links zu finden:
10. Weiterführende Quellen
Literatur:
Im Gegensatz zu Fachzeitschriften der Branche und einschlägigen Internetseiten ist das Thema „Sonderwerbeformen im Zeitungsdruck“ in der Literatur noch nicht explizit vertreten. Einige Ausführungen finden am Rande der einschlägigen, aktuellen Marketing-Literatur Erwähnung. Beispielsweise in:
- Der Nutzen von Sonderwerbeformen für die Brand Awareness (von Armin Kitzmüller, VDM Verlag, (20. Januar 2010)
Verbände und Interessengruppen:
- IFRA - internationaler Verband von Unternehmen der Zeitungs- und Medienbranche http://www.iframagazine.com
- Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger
http://www.bdzv.de/ - Marketing.ch – Fachportal für Marketing
http://www.marketing.ch/wissen/sonderwerbeformen/innovative_werbeformen.pdf - Medienmagazin DWDL
http://www.dwdl.de/story/22474/offiziell_handelsblatt_wird_am_211_zum_ta... - Druck und Medien (Kommunikationsplattform der Druckbranche)
http://druck-medien.net/aktuell/newsdetail/article/5798-koenig-bauer-mai...
Firmen und Anbieter von Sonderwerbeformen:
- Bauer Media Group
http://www.bauermedia.com/presse_mit_datum.0.html?&encryptionKey=&tx_hbvpressreleases_pi1[showUid]=1611&cHash=b9511cad91 - Berliner Zeitungsdruckerei
http://www.berliner-zeitungsdruck.de/ - Die Presse
http://diepresse.com/portal/fragments/sales/print/pdf/swf.pdf - media impact - Axel Springer AG
http://www.axelspringer-mediapilot.de/Ad-Specials-Print-Ad-Specials-Prin... - Süddeutscher Verlag Zeitungsdruck
http://www.sv-druckzentrum.de/index.php?id=38&backPID=38&urlCat=10&urlCo... - WESTSeller – WAZ Mediengruppe
http://www.westseller.de/portal/cms/website.php?id=/de/index/werbeangebo...
Foto-Quelle: Thomas Mielke, mit freundlicher Genehmigung der Berliner Zeitungsdruck GmbH
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