4.1 Prägestempel
Der Prägestempel besteht aus einem Stahlblock oder einer Stahlplatte. Um die Bearbeitung des Stahls zu erleichtern, wird dieser dekarbonisiert. Das heißt, der Stempel wird durch das Ausglühen von Kohlenstoff erweicht, damit das Motiv übertragen werden kann. Der Stahlstichstempel ist sehr lange haltbar und kann bei wiederkehrenden Aufträgen weiterverwendet werden.
4.2 Übertragung des Motives
Ausgehend von einer Reinzeichnung, einer Fotografie oder einer Filmvorlage wird das Motiv millimetergenau und spiegelverkehrt in den erweichten Prägestempel übertragen.
Die Übertragung des Motives erfolgt üblicherweise mit einem Grabstichel aus gehärtetem Stahl. Der Stichel ist für gewöhnlich zwischen 8 und 11 cm lang und kann unterschiedliche Durchmesser besitzen. Er ist wie ein Meißel geformt und kann mit verschiedenen keilförmigen Schneiden versehen werden. Mit diesen wird in Handarbeit das Motiv in den Stahlblock geschnitten. Alternativ kann das Motiv auch mit einer Radiernadel eingeprägt werden.
Für einen einfachen Schriftzug mit einem Stichel werden ca. 3-5 Stunden Arbeitszeit benötigt. Die durch diese Technik hergestellten Stempel enthalten durch die Materialverdrängung scharfe Aufwölbungen auf der Druckbildseite, die vor der Stempelverwendung entfernt werden müssen. Eine weitere Möglichkeit der Motiverstellung ist die Ätzung durch Säure. Dabei wird der Stempel mit einer säurebeständigen Schicht, genannt Ätzgrund oder Abdecklack, bestehend aus Wachs, Mastix und Asphalt, überzogen. Dann wird mit einer Nadel die Schicht in gewünschter Form eingeritzt und anschließend der Stahlblock in ein Säurebad aus Salpetersäure oder Eisen(III)Chlorid getaucht. Die säurebeständige Schicht wird abschließend mit Terpentin entfernt. Es können auch mehrere dieser Verfahren auf einem Prägestempel verwendet werden. Nach der erfolgreichen Übertragung des Motives wird die Platte wieder gehärtet und abschließend für die Farbaufnahme in einem Gleitschlitten präzise justiert.
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| Abb.1: Ein Stahlstichstempel, die Gravur ist gespiegelt |
4.3 Herstellung der Gegendruckmatrize
Zusätzlich benötigt man eine Gegendruckmatrize. Diese besteht aus einer harten Pappe, um dem Druck des Prägestempels standhalten zu können. Diese ist auch handgefertigt und passt sich millimetergenau den Vertiefungen der Stahlplatte an. Durch die Gegendruckmatrize wird eine exakte Prägung im Papier erzeugt.
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| Abb. 2: Frontalansicht einer Stahlstichdruckmaschine mit Stempel, Farben, Wischtuch und Bedruckstoff |
4.4 Der Druckvorgang
Während des Druckvorgangs auf einer speziellen Tiefdruckmaschine wird der Prägestempel mit einer hochpigmentierten und dickflüssigen Farbe eingefärbt. Die Farbe kann Gold, Silber oder auch andere Metalle enthalten und setzt sich in der Gravur fest. Der Stempel wird anschließend mit einem Tuch so abgewischt, dass die Farbe nur noch in den Vertiefungen verbleibt. Will man mehrere Farben drucken, benötigt man mehrere Stempel und mehrere Druckdurchgänge. Anschließend wird der Bedruckstoff in der Maschine unter hohem Druck in die Vertiefungen der Gravur gepresst. Die Gegendruckmatrize aus Pappe befindet sich auf der Rückseite des Bedruckstoffes und wird ebenfalls in die Vertiefungen des Prägestempels gepresst. Dadurch entsteht ein konturenscharfes Druckbild mit einem Relief auf der Vorderseite und einer Prägung auf der Rückseite.
4.5 Trocknung
Die bedruckten Erzeugnisse müssen bis zur vollständigen Trocknung, die bis zu drei Wochen dauern kann, einzeln ausgelegt werden. Für Glanzfarben ist eine längere Trockenzeit einzuplanen. Allerdings benötigen nicht alle Stahlsticherzeugnisse eine solch lange Trocknungszeit, da die Schichtdicke der Farbe und die Größe der Gravuren bei verschiedenen Motiven variieren können. Zusätzlich kann bei der Infrarottrocknung von Spezialfarben ein satter Glanz, oder bei wasserbasierenden Farben ein Matteffekt erzielt werden.
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| Abb. 3: Der fertige Druck mit feinsten Linien auf einem Blatt Papier |
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| Abb. 4 und 5: Ebenfalls Beispiele für den Stahlstich |
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